Britpop: Louise Wener war dabei

Eins meiner Allzeit-Lieblings-Pop-Bücher ist Louise Weners "Gute Nacht, Steve McQueen" von 2002. Ein schöner kleiner Roman über eine schöne kleine Indieband, geschrieben von der ehemaligen Sängerin der schönen, kleinen Britpop-Band Sleeper. Dass ich damals überhaupt auf das Buch gestoßen bin, ist reiner Zufall. Entdeckt habe ich es auf einem Supermarkt-Wühltisch, wo es mir trotz unsäglicher Frauenbuch-Covergestaltung a la Ildiko von Kürthy und Ramschpreis von 2,99 Euro gleich aufgefallen ist. Dass die dort beschriebene, sehr lustige Geschichte einer aufstrebenden Nachwuchs-Band stark autobiographisch geprägt ist, liegt angesichts der Vorgeschichte der Autorin nahe. Nun hat Wener aber ein neues, echt-autobiographisches Buch geschrieben, ohne Schlüsselfiguren, dafür mit echten Namen, echten Figuren, echten Bands: "Different for Girls: My True-Life Adventures in Pop", heißt es. Da das Buch noch gar nicht erschienen ist, kenne ich nur den kleinen Ausschnitt, der in der "Times" vorab gedruckt worden ist. Aber der macht Appetit auch auf den Rest des Buchs. Die Buhmänner in diesem kurzen Abschnitt sind übrigens meine Lieblinge von Blur, die dort als Groupie-vertilgende, ewig versoffene, arrogante Arschlöcher beschrieben werden, die völlig unverhältnismäßig ausflippen, als Wener und ihre Band-Kollegen, als Vorgruppe von Blur gebucht, heimlich Käse vom Catering-Teller der Hauptband mopsen.

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Horst knipst Mods

Der Fotograf Horst A. Friedrichs hat ein Buch gemacht mit Fotografien aus der Mod-Szene, der wohl britischsten aller Subkulturen. Bei Zeit Online gibt es ein Video-Interview mit ihm, auf seiner eigenen Seite kann man sich viele Fotos auch online anschauen. Ganz starke Bilder!

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Schweinegrippe mit Nick Hornby

jn.jpg Letzte Woche war ich krank, und da habe ich mir die Zeit anstatt mit Scheppermusik lieber mit Büchern vertrieben. Ich habe Ken Folletts "Die Tore der Welt" endlich zu Ende gelesen (gehört hier nicht hin: kein Pop) ein Buch über die Résistance (gehört hier nicht hin: ist aus Frankreich), und das neue Buch von Nick Hornby (jetzt aber!). "Juliet, Naked" heißt der Roman, und der Titel bezeichnet nicht etwa ein nacktes Mädchen, sondern die neu abgemischte Version einer imaginären LP namens "Juliet" - analog zu "Let It Be, naked" von den Beatles. Diese LP stammt von einem berühmten (imaginären) Sänger namens Tucker Crowe, der in den 80er Jahren von einem Tag auf den anderen von der öffentlichen Bildfläche verschwunden ist, und über dessen Verbleib - analog zu Syd Barrett - seitdem in Fan-Kreisen intensiv gefachsimpelt wird, vor allem in Internet-Foren. Sänger? LP? Sollte Nick Hornby etwa wieder zu seinen schreiberischen Anfängen zurückgekehrt sein, als er mit seinem Pop-Roman "High Fidelity" berühmt wurde? Nicht wirklich. Denn die Musikwelt, das Fansein, das bei "High Fidelity" noch Kern und Thema der Geschichte war, ist bei "Juliet, Naked" nur noch Kulisse für eine Beziehungs-Geschichte, die Hornby gewohnt nachdenklich und einfühlsam erzählt. Insofern schließt "Juliet, Naked" eher an die letzten Bücher Hornbys wie "A Long Way Down" an, als an sein Frühwerk. Trotzdem merkt man dem Buch an, dass der Autor das alles schon selbst erfahren hat: Musik als Offenbarung zu erleben, die quasi-religiöse Verehrung von Stars, Reisen zu mystischen Orten der Rock-Geschichte. Vielleicht sucht Hornby sich für seine nächste nachdenklich und einfühlsam erzählte Geschichte ja mal wieder das Thema Fußball aus, wie in "Fever Pitch"? Nur als Kulisse, reicht doch schon.

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Alternative zu Herta Müller: David Nicholls

zwei.jpg Mein britischer Lieblingsautor ist - abgesehen natürlich von Nick Hornby - David Nicholls. Seine Romane "Ewig Zweiter" und "Keine Weiteren Fragen" sind witzig, geistreich, ironisch, eine gute Portion kitschig und überhaupt einfach schön zu lesen. Jetzt ist von Nicholls ein neues Buch auf Deutsch erschienen, "Zwei an einem Tag", das - soweit ich das sehe - von der Kritik allseits gefeiert wird und ihm jetzt wohl endlich den verdienten Durchbruch bringt. Anders als bei seinen beiden ersten Büchern herrscht bei "Zwei an einem Tag" ein nachdenklicherer Ton vor. Hier philosophiert der ehemalige Schauspieler und Drehbuchautor Nicholls über die Liebe, über Beziehungen und übers Älterwerden und macht so aus einer eigentlich blöden, weil sehr konstruierten, Grundidee - der Roman erstreckt sich über 20 Jahre, spielt aber ausschließlich immer am selben Datum - ganz tolle Literatur.

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Superbuch: Punk Fiction

Supergroup nennt man eine Band, die sich aus Musikern zusammensetzt, die ohnehin schon berühmt sind. Im Fall von "Punk Fiction" müsste man analog dazu von einem Superbook sprechen: Zahlreiche Größen der britischen Independent-Szene haben dafür Kurzgeschichten beigesteuert, die von Punk-Songs inspiriert worden sind. Mit dabei (u.a.):
Kele Okereke (Bloc Party)
Billy Childish
Billy Bragg
Alison Mosshart (The Kills)
Paul Smith (Maximo Park)
Kate Jackson (Long Blondes)
Das Vorwort hat Johnny Marr (The Smiths) geschrieben.
Als Inspiration für die Kurzgeschichten dienen Bands wie The Buzzcocks, The Ramones, The Ruts und die Sex Pistols.
Von den ohnehin nicht teuren 9,99 Pfund, die das Buch kostet, geht auch noch ein Pfund an die Kinderkrebshilfe. Ein Kapitel (das von Maximo Parks Paul Smith) hat der Independent vorab veröffentlicht.punkfiction.jpg

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Mein erster Arztroman

Es wird Euch überraschen, aber die einzige Fernsehserie, die ich regelmäßig gucke, ist nicht Eastenders, The Office oder irgendwas anderes Britisches, sondern Dr. House. Warum das so ist, kann ich gar nicht so richtig sagen, ich bin da irgendwie reingerutscht - auf jeden Fall liegt es nicht daran, dass der Hauptdarsteller Hugh Laurie ein Engländer ist (was ich ohnehin erst später erfahren habe). Was Laurie nun aber wirklich zu einem Fall für Brit-Blog werden lässt, ist die Tatsache, dass er ein Buch geschrieben hat, man ihn also zu 100 % einen Brit-Autoren nennen kann. Ein schreibender Schauspieler, fragt Ihr jetzt? Ich war ja auch skeptisch. Zumal "Bockmist" bereits in den 1990er Jahren (unter dem Titel "Der Waffenhädler") erschienen ist und sich erst jetzt, nach Lauries Fernseherfolgen neu aufgelegt, richtig gut verkauft. Doch das Buch ist richtig gut. Es ist ein skurriler Agententhriller, der aber mehr komisch als spannend ist und vor allem vom Sprachwitz lebt. Mit Dr. House hat das Ganze überhaupt nichts zu tun, dafür viel mit britischem Humor und viel Londoner Lokalkolorit.

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Lachsfischen im Jemen

Kann ein Buch Popliteratur sein, wenn der Autor die 60 bereits überschritten hat? Ja, denn "Lachsfischen im Jemen" von Paul Torday ist so rasant, skurril, komisch und durchgedreht, als wäre es von einem 30-Jährigen. Es geht um…nunja, Lachsfischen im Jemen eben. Ein spleeniger Scheich ist von der Idee besessen, Lachse in jemenitischen Flüssen anzusiedeln und heuert dafür einen englischen Fischereifachmann an. Der will erst nicht mitmachen, wird aber von höchster politischer Stelle aus dazu gedrängt. Bei den British Book Awards wurde Torday dafür als "Newcomer" ausgezeichnet. Mit 61. Cool.

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Welsh ein Roman!

Es gibt nur wenige Autoren, bei denen ich sofort in den Buchladen renne, wenn von ihnen ein neuer Roman erscheint, und deren Bücher ich ohne großes Durchblättern sofort kaufe. Einer dieser Autoren ist Irvine Welsh, einst zu Recht wegen "Trainspotting" berühmt geworden und danach zu Unrecht in der Versenkung verschwunden, obwohl seine folgenden Bücher (vor allem "Klebstoff") die gleiche Klasse haben. Das gilt auch für Welshs jüngsten Roman "Die Bettgeschichten der Meisterköche", ein gewohnt durchgeknalltes, vielleicht sogar selbst für Welsh-Verhältnisse außergewöhnlich durchgeknalltes Buch voller Sex, Gewalt, Drogen, Punk, Alkohol und Schottland. Es geht um einen völlig abgefuckten, fertigen Typen aus Edinburgh, der sich auf die Suche nach seinem Vater macht, dessen Namen seine Mutter ums Verrecken nicht verraten möchte. Das einzige, was er verlässlich weiß ist, dass sein Vater damals Koch war und seine Zeugung Anfang 1980 geschah, zur Zeit des Punk also (die Handlung beginnt auf einem Clash-Konzert). Die Suche gestaltet sich in Welsh-typischer Art turbulent, brutal, und an manchen Stellen so ekelig, dass ich dagegen selbst "Feuchtgebiete" harmlos fand. Doch im Gegensatz zu Charlotte Roche ist Welsh ein exzellenter Schriftsteller, der immer mitreißt und zwischen all dem Krach und Horror viel Liebevolles und sogar Zärtliches versteckt - genau wie ein guter Punk-Song.

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Britbuch

England, 1982. Thatcher, Falkland, Kalter Krieg. Jason, ein Teenager aus einem Kaff im Herzen von England, schlägt sich durchs Leben, stets auf der Hut, den coolen Jungs gegenüber nicht als Weichei oder gar "Homo" zu gelten. Käme heraus, dass er heimlich Gedichte schreibt und einen mühsam kaschierten Sprachfehler hat, wäre er sofort geliefert - glaubt Jason zumindest. "Der 13. Monat" von David Mitchell ist ein wundervoller Roman übers Aufwachsen und gleichzeitig so britisch, wie es britischer kaum geht - deshalb die Empfehlung hier bei britblog.de!

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Neues vom Jam

Was Paul Weller kann, können seine Ex-Kollegen von The Jam, Bruce Foxton und Rick Buckler schon lange: ein Buch veröffentlichen nämlich. "Jam Unseen" verspricht neue Einsichten und unveröffentlichte Fotos über die Mod-Legende. Naja, eigentlich haben Foxton und Buckler das Buch gar nicht geschrieben, sondern nur das Vorwort beigesteuert, aber auch die literarische Leistung ihres Ex-Frontmanns bei seinem demnächst erscheinenden Werk hält sich ja in Grenzen. Aber Musik machen Foxton und Buckler ja auch noch. Unter dem Namen "From The Jam" sind sie in England schon ziemlich erfolgreich aufgetreten, in diesem Jahr sollen weitere Konzerte folgen und gerüchteweise sogar ein neues Album. Ohne Paul Weller, versteht sich.

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