Seit ein paar Wochen schon höre ich immer wieder Kid British, nicht ganz mein Geschmack, aber hochinteressante Newcomer aus Manchester. Die überwiegend aus Immigranten bestehende Band spielt einen abgefahrenen Stilmix aus Rap, Ska und Britpop, klingt dabei aber immer 100 Prozent britisch. Bin gespannt, wie das Album wird, an dem die Jungs gerade arbeiten. Produzent ist übrigens mal wieder Stephen Street, auf dessen neue Webseite ich bei der Gelegenheit auch mal hinweisen darf, ist sehr gelungen!.
Dass Nazis doof sind, ist bekannt, dass die Polizei es zuweilen auch ist, ebenfalls. Doofe Polizisten sind besonders dann ärgerlich, wenn wir schlaue bräuchten, um die doofen Nazis zu bekämpfen. Doof ist aber zum Beispiel die Liste mit Modelabels, die der Polizeipräsident von Berlin erstellt hat, nachdem bekannt geworden ist, dass vor ein paar Monaten ein Fahnder in der Montur des Nazi-Labels Thor Steinar herumgelaufen ist. So etwas in Zukunft zu unterbinden, ist ja gut und richtig. Aber warum um alles in der Welt dürfen die Polizisten in Zukunft nicht mehr Fred Perry, Ben Sherman und Lonsdale tragen? Anders als Thor Steinar erfreuen sich diese Labels doch auch unter Nicht-Nazis großer Beliebtheit und haben sich in der Vergangenheit immer wieder klar von den Rechten distanziert. Ist das jetzt Übers-Ziel-Hinausschießen? Oder wissen es die Cops einfach nicht besser?
Zugegeben, eine Zeitlang ist er auch mir auf die Nerven gegangen: Konzertabsagen, Drogenrückfälle, Knast, Kate Moss, diese ganzen halb-erfundenen Boulevard-Geschichten. Trotzdem habe ich ich gefreut, als ich jetzt Gelegenheit hatte, die neue Solo-LP "Grace/Wastelands" von Pete Doherty (ich weiß, er schreibt sich jetzt mir ‘r’ am Ende. Aber genau diese Schrullen sind es ja, die mich so nerven!) zu hören. Und tatsächlich hat die Platte Spaß gemacht, wahrscheinlich auch deshalb, weil Blur-Produzent Stephen Street und Blur-Gitarrist Graham Coxon mitgewirkt und dem Werk ihren deutlichen Stempel aufgedrückt haben. Das Songwriting wechselt in traditioneller Doherty-Manier zwischen eingängig und verschroben, wobei die Grundstimmung deutlich entspannter und akustischer ist, als bei früheren, eher scheppernden Veröffentlichungen des kauzigen Genies. Alle Songs des neuen Albums gibts im Netz in einem Flash-Stream zu Hören.
Ihr denkt immer noch, das 1:5 von München im Jahr 2001 sei die höchste, gemeinste und historischste Niederlage der deutschen Mannschaft gegen die Engländer gewesen? Dann lest diesen amüsanten Artikel aus der Welt. Es geht immer noch schlimmer ;-)
Das ist doch mal schön: eine Zeitschrift voller Brit-Musik. Und eine wohlgeratene dazu! Fangen wir bei dem von mir ohnehin hoch geschätzten Frank Goosen an, der über seine Liebe zu den Beatles schreibt. Nehmen wir die witzige Idee, die "50 britischsten Songs der Musikgeschichte" aufzulisten. Erwähnen wir den Artikel über "England in den 80ern", der von Thatcher und dem Miners’ Strike erzählt (Brit-Blog berichtete). Außerdem schreibt Thees Uhlmann über Oasis, gefeatured werden Scouting For Girls, Paul Weller, Jarvis Cocker und viele andere Brit-Künstler. Das alles ist mit schönen Fotos versehen und überwiegend unterhaltsam geschrieben. (Ich könnte jetzt überkritisch sein und maulen über die ein oder andere sachliche Unsauberheit und thematische Fehl-Gewichtungen, aber warum eigentlich.) Das Sahnehäubchen ist die die beiliegende CD, auf denen die Futureheads, Maximo Park, Bloc Party, The Rakes und andere sehr gute Bands vertreten sind. Mit Ausnahme eines unveröffentlichten Stücks von Art Brut bietet die CD zwar nichts Neues, aber doch einen guten Überblick über aktuellen Britrock. Und dann ist das Ganze mit 7,50 wirklich nicht zu teuer. Kauftipp!
Es gibt eine Regel: Wenn Steve Lamacq (früher NME, jetzt BBC) etwas gut findet, ist es auch gut. Seine neuste Entdeckung hat mich auch wieder auf Anhieb überzeugt: The Crookes sind eine junge Band aus Sheffield und es ist nicht gewagt, zu vermuten, dass sie Fans von Pete Doherty sind. Zumindest lässt das Songwriting darauf schließen. Soundmäßig scheppert es bei den Crookes dagegen nicht so sehr, dafür kommen Akustikgitarren zum Einsatz, die dem Ganzen etwas verspielt-folkiges verleihen. Noch steht "unsigned" in der Rubrik "Plattenlabel" auf der myspace-Seite der Band, aber das wird sich sicherlich bald ändern.
Dass die Musikindustrie im Internet-Zeitalter tendenziell an Bedeutung verliert, ist inzwischen eine Binsenweisheit. Dass die Künstler von dieser Entwicklung profitieren (was sie sollten), ist dagegen noch längst nicht gesagt. In England haben sich gestern180 Musiker, darunter sehr prominente Namen wie Robbie Williams, Annie Lennox, Billy Bragg, dazu Mitglieder von Bands wie Radiohead und Blur zusammengeschlossen, um genau das zu gewährleisten. Anders als die Musikkonzerne wollen sie dabei nicht gegen die User vorgehen, selbst wenn sie illegal Musik herunterladen. Ihnen geht es vor allem darum, an Online-Erlösen fair beteiligt zu werden. Das Statement der FAC steht im Wortlaut im Guardian.
Ihr denkt immer noch, Duffy wäre retro? Dann hört Euch mal ihren Smash-Hit "Mercy" in der Version des Londoner Produzenten-Teams "The Third Degree" an. Auf der Single (beim legendären Acid-Jazz-Label natürlich auf Vinyl erschienen) sind die Bläser so fett, die Bässe so cool, dass Duffy mit ihrer Version auf einmal überraschend modern wirkt.
Eine der besten UK-Bands ist seit langem Maximo Park aus Newcastle. Deren neues Album "Quicken The Heart" ist fertig aufgenommen, und soll im Mai erscheinen. Vorab zum Download gibt es schon jetzt den Song "Wraithlike" (Registrierung notwendig).
Also mir gefällt’s!
In England gibt es zurzeit viel zu lesen über den Bergarbeiterstreik von 1984, der sich gerade zum 25. Mal jährt. Bei diesem Streik ging es um viel mehr als nur um Kohle und Zechen. Gekämpft wurde um das Gesicht des zukünftigen Englands: sozial oder kapitalistisch? Kooperativ oder kolonial? Ich weiß noch, dass wir als Kinder Spielzeug für die Kinder der Streikenden gespendet haben, und was für ein tolles Gefühl das war. Weniger schön war es dann, die Niederlage der Miners mitansehen zu müssen. Die Folge war, dass Margaret Thatcher das erste neoliberale Regime Europas installieren konnte, was in den folgenden Jahren dann weltweite Nachahmung fand. Die Entmachtung der Gewerkschaften, die hemmungslosen Privatisierungen, das Von-der-Leine-Lassen der Spekulanten und Kapitalisten: All das hatte seinen Ursprung 1984, und die Rechnung für diese verheerende Politik bekommen wir in diesen Tagen präsentiert - zuzüglich der marktüblichen Zinsen, versteht sich. Was an Positivem bleibt, ist Musik: Billy Bragg, The Communards, Style Council, die Housemartins, The Smiths, Madness und viele andere kämpften damals gegen Thatcher. Spätestens heute wissen wir: Sie hatten Recht.